Home-Shopping-Queen Borussia Dortmund

BVB und FCA: Kein Klub kauft Spieler so oft wie sie bei der Konkurrenz

“Die Bayern kaufen die Liga kaputt” – reflexartig kommt es einem der Satz über die Lippen sobald der FC Bayern München einen Neuzugang präsentiert. Götze, Lewandowski, Hummels, Neuer, Kimmich – unter qualitativen Gesichtspunkten mag etwas dran sein an den Vorwürfen. Rein quantitativ betrachtet, sind es jedoch Borussia Dortmund sowie man höre und staune der FC Augsburg, die die meisten Spieler bei der Konkurrenz abwerben.

Dortmund kauft viel und teuer

Sowohl Dortmund als auch Augsburg hatten im letzten Sommer 14 Spieler in ihren Kadern, die zuvor noch bei der ligainternen Konkurrenz aufliefen. Das ergab eine kleine Analyse von transfermarkt.de. Der geringfügige Unterschied zwischen den schwarzgelben Transferaktivitäten und denen der Fuggerstädter liegt bei den gezahlten Ablösesummen. Die Borussia legte knapp 167 Millionen auf den Tisch, allein 44 Millionen davon für die Neuzugänge der abgelaufenen Saison 2017 / 2018: Maximilian Philipp (SCF), Mahmoud Dahoud (BMG) und Ömer Toprak (B04). Beim FC Augsburg investierte man insgesamt nur 19 Millionen Euro, verbuchte mit Ex-HSVer Michael Gregoritsch jedoch einen absoluten Top-Transfer, der bei einem Weiterverkauf die investierten 5 Millionen Euro wohlmöglich verfünffacht. Durch die langwierige Verletzung von Maximilian Philipp ist Gregoritsch anhand der Leistungen in dieser Saison auch der Top-Transfer im Vergleich der beiden Vereine. Denn während Philipp an 20% der Dortmunder Treffer sowie 14 % der BVB Torschüsse beteiligt war, sind es beim Österreicher sogar 45 % Torbeteiligungen und 32 % Torschussbeteiligung.

Der FC Bayern hatte im letzten Sommer übrigens 8 Spieler in seinen Reihen, die zuvor bei der Konkurrenz unter Vertrag standen. Kosten ließ man sich die Zugänge knapp 105 Millionen. Allerdings kamen Lewandowski und auch Rudy ablösefrei, sonst wäre man wohl gleichauf mit den Investitionen der Dortmunder.

Dortmund hat noch nicht genug

Kaum ist die Saison vorbei, bleibt sich der BVB im Rahmen seiner Grunderneuerung treu und shoppt weiter bei der nationalen Konkurrenz. Mit dem neuen Trainer Lucien Favre soll im nächsten Jahr wieder voll angegriffen werden. Dafür wurde zunächst der Pokalsieger und Most Involved Player der Eintracht Marius Wolf für 5 Millionen Euro verpflichtet. Der Neuzugang aus Hessen war in der abgelaufenen Saison an 36 % aller Tore (u.a. 5 Tore, 9 Assist, 4 Vorassist) sowie knapp einem Viertel aller Torschüsse der Frankfurter beteiligt. Damit stellt er die Leistungen der Dortmunder Flügelasse allesamt in den Schatten. Wo und mit wem Marius Wolf kommende Saison bei Dortmund aufläuft, ist noch nicht gewiss. Gut möglich, dass der Neuzugang Pulisic 1:1 auf der rechten Seite ersetzen soll, falls für den Amerikaner ein Wahnsinnsangebot beim BVB eintrifft. Ablösefrei kommt zudem Torwart Marwin Hitz aus Augsburg nach Dortmund und heizt den Konkurrenzkampf um den Stammplatz im Kasten an.

Vor der WM will der BVB wohl noch einen neuen Führungsspieler für seine Zentrale erwerben. Heiß gehandelt wird Thomas Delaney von Werder Bremen. Glaubt man der Presse, feilschen beide Verein nur noch um die Ablösesumme. Mit Delaney würden die Dortmunder Bremens Lebensader im zentralen Mittelfeld und einen echten Leader verpflichten. Hinter Max Kruse war Delaney mit 23% am meisten an den Torschüssen der Werder-Elf beteiligt sowie auch an 15% aller Saisontore.

Wen holt Dortmund noch?

Micky Batshuayi ist offiziell zum FC Chelsea zurückgekehrt und somit ist beim BVB wieder eine Vakanz auf der Mittelstürmerposition. Ob Favre ihn gern zurückholen und die Londoner überhaupt abgeben wollen, ist ungewiss. Also gut möglich, dass der BVB auch für diese Position einen oder mehrere Kandidaten von der nationalen Konkurrenz im Blick hat.

Was kostet die Welt? 3 Frankfurter oder einen Belgier?

Dass in Frankfurt mit Rebic, Jovic und Haller gleich 3 junge und entwicklungsfähige Angreifer im Kader stehen, dürfte auch den Scouts des BVB nicht entgangen sein. Zudem dürften alle zusammen immer noch weniger kosten als der Belgier. Da Dortmund aktuell in Gesprächen mit Werder Bremen steht, dürfte die Werder Fans besonders hellhörig geworden sein, dass sich nun wohl auch Kruse einen Wechsel vorstellen könnte – vorausgesetzt er dürfte im neuen Club noch einmal Champions League spielen. Das könnte Dortmund dem Enfant terrible bieten. Mit 30 Jahren wäre Kruse allerdings kein Perspektivwechsel. Das wäre jedoch wohl eher Andrej Kramaric (u.a. 13 Tore, 7 Assist), der in der Rückrunde für die Hoffenheimer kräftig aufdrehte und am Ende mit 36 % Tor- sowie 31 % Torschussbeteiligungen einen großen Anteil an der Champions League Qualifikation der TSG hatte.

Sicher scheint beim BVB zugleich der Abgang von Abwehrchef Sokratis zum FC Arsenal. Wenngleich bereits einige hochkarätige Namen aus anderen Ligen genannt werden, halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass Dortmund am Mainzer Diallo dran ist. Der Franzose spielte eine gute Debütsaison in Mainz und war an 11% der Tore sowie 12% der Torschüsse seines Teams beteiligt.

Fazit: Das Transferkarussell wird bereits vor der WM noch einmal kräftig Fahrt aufnehmen und der BVB seinem Ruf als Home-Shopping-Queen alle Ehre machen, indem man vorrangig auf nationaler Ebene zuschlägt. Somit dürfte der Ruf “die kaufen die Liga kaputt” bald auch in breiter Öffentlichkeit vermehrt auf Dortmund hernieder prasseln.