Eishockey-Kolumne: Zwei Top-Favoriten und ein Co-Favorit


DEL Saisoneröffnung

Ja, ist denn schon wieder Eishockey? Tatsächlich, am Freitag, den 13. September, beginnt die neue Saison in der DEL – doch die ersten drei der Abschlusstabelle des vergangenen Jahres haben sich bereits eingespielt. Meister Mannheim, Vize München und Augsburg, das überraschend Dritter geworden und bis ins Halbfinale vorgedrungen war, haben bereits zwei knallharte Wochenenden in der Champions League hinter sich. Und sind bester Laune. Von ihren insgesamt zwölf Partien haben die deutschen Klubs nur zwei verloren: München und Augsburg je eines in Penaltyschießen und Verlängerung. Es wird ihnen nicht so weh tun, sie sind auf Kurs Richtung Achtelfinale. Die Adler Mannheim haben es schon erreicht. Also: Das deutsche Eishockey macht gerade international was her.

Playoff-Stimmung im September

Die Augsburger Panther spielten in der Champions League mit einer Intensität, als wäre es noch April und sie stünden in den Playoffs. „Solch ein Eishockey habe ich im August, September noch nie gesehen“, sagt Trainer Tray Tuomie. Das Stadion war in den beiden Heimspielen gegen Lulea aus Schweden und Belfast aus Nordirland fast ausverkauft, auch das ist ungewöhnlich für die europäische Liga. Die Erfolgsmannschaft von 2018/19 ist für 2019/20 bis auf eine Import-Position zusammen geblieben – Augsburg müsste folglich einer der Mitfavoriten in der DEL sein.

Alles neu in Iserlohn und Wolfsburg

Ist es aber nicht. Es gibt zwei erklärte Favoriten, das sind die Branchengrößen Mannheim und München. Und es gibt einen Außenseitertipp: die Kölner Haie. Bei allen anderen ist schwer einzuschätzen, wie die Saison laufen wird. Iserlohn und Wolfsburg haben ihren Kader komplett erneuert, die Trainer ausgetauscht, sie sind daher schwer einzuschätzen. Und wo personelle Konstanz herrscht wie in Straubing und Augsburg, weiß man eben nicht: Waren die im Vorjahr richtig gut – oder hatten sie einfach Glück? Über die Platzierungen drei bis sechs hatte die Tordifferenz entschieden. Augsburg, Köln, Ingolstadt und Düsseldorf waren nach Punkten gleich.

Zwei 17-Jährige im Duell

Mannheim und München haben das Eishockey auf eine neue Stufe der Professionalisierung gehoben. Ihr Kader ist groß genug, um Ausfälle aufzufangen, jedes der beiden Teams hat einen Block mehr, als es braucht. Bei den Adlern in Mannheim wurde trotz des Erfolgs ein wenig umgebaut, damit keine Bequemlichkeit Einzug hält. Beispiel: Torwart Dennis Endras war wertvollster Spieler der Playoffs, die DEL zeichnete ihn als MVP aus – doch Trainer Pavel Gross verpflichtete eiskalt Johan Gustafsson, einen sieben Jahre jüngeren Schweden, der mit Göteborg 2019 die Champions League gewonnen hatte. In München wird der Druck auf die etablierten Spieler erhöht, indem die in der Red-Bull-Akademie in Salzburg ausgebildeten Jungstars in die Profimannschaft aufgenommen wurden. Die DEL wird daher auch ein Duell der jungen Wilden erleben: Mannheim mit Tim Stützle, München mit John Jason Peterka. Beide sind 17, nur einen Tag auseinander, beide sind Stürmer mit einem Männerkörper. „Die fahrt keiner über den Haufen“, so der Münchner Manager Christian Winkler.

Die Haie setzen auf ihre Trainerfigur

Wird irgendeine Organisation Mannheim und München Paroli bieten können? Am ehesten Köln. Die Haie hoffen, nach Jahren des Irrlichterns auf der Trainerposition die Königslösung gefunden zu haben: Mike Stewart. Seine Trainervita: Bremerhaven zum Meister der 2. Liga gemacht, Augsburg in vier Jahren vom regelmäßigen Playoff-Verpasser zur Hochburg geformt. Der Austro-Kanadier arbeitet mit Datenerfassung, einem Mentaltrainer und dem guten alten Bauchgefühl.