Eishockey-Kolumne: Wenn 2:0 ein Kantersieg ist


Mannheim hat alle Zeit der Welt

Lange nichts von den Adlern Mannheim gehört. Von ihnen bemerkt man derzeit nur Pavel Gross, den Cheftrainer, und seinen Assistenten Mike Pellegrims. Die beiden haben gerade Zeit, sich in aller Ruhe Eishockeyspiele anzusehen. Die zwischen München und Augsburg. Ihre eigene Mannschaft hat Pause, seit sie vor fast einer Woche den 4:0-Seriensieg über die Kölner Haie fixgemacht und sich für die Finals qualifiziert hat. Die Coaches können in Ruhe scouten. Theoretisch hätten die Mannheimer Nationalspieler sogar Zeit gehabt, am Donnerstag und Samstag an den beiden deutschen Länderspielen gegen die Slowakei mitzuwirken. Mach(t)en sie natürlich nicht. In den Playoffs gehören die Spieler den Vereinen. Klarer Mannheimer Fokus: die Deutsche Meisterschaft.

Mit 13 oder 14 Playoff-Spielen ins Finale

Dass der Gegner, über den sie am Dienstagabend (oder vielleicht wird auf der Uhr dann schon der frühe Mittwoch stehen) Bescheid wissen, aus einer Best-of-Seven-Serie kommen wird, ist für Mannheim gewiss kein Nachteil. Die Adler haben inklusive des Viertelfinales gegen Nürnberg neun Playoff-Spiele bestritten, bei München würden es 13 sein, bei den Augsburgern gar 14. EHC und Panther haben zudem zwei XXL-Partien bestritten, die jeweils über 100 Minuten gingen. Ihre offiziell sechs Spiele gegeneinander sind tatsächlich fast schon acht. Der Augsburger Verteidiger Brady Lamb stand in einer der Begegnungen 44 Minuten auf dem Eis – auch für einen vielbeschäftigten Mann sind das zwei Spiele in einem.

Augsburgs Serie: Zehn Ein-Tor-Differenz-Spiele

Am Dienstag nun also Halbfinalspiel Nummer sieben zwischen München und Augsburg. Das sechste Spiel hatte das bisher deutlichste Ergebnis der Serie gebracht: 2:0 für Augsburg – ein Kantersieg gemessen an den fünf Partien davor. So klar ging es aber nur aus, weil den Panthern fünf Sekunden vor Schluss ein Schuss ins leere Münchner Tor gelang – normal wäre es 1:0 ausgegangen. Alle Spiele hatten nur ein Tor Differenz. Die Augsburger waren daran schon aus ihrer Viertelfinalserie gegen die Düsseldorfer EG gewohnt. Das dritte bis siebte Spiel: alle mit einem Tor Unterschied.

Fünf Mann vor Hexer Roy

Die Spieler rechnen mit nichts anderem mehr als einem zähen Ringen um ein Tor. Der Münchner Frank Mauer beschrieb den Stil der Augsburger so: „Sie sind fünf Mann vor dem eigenen Tor. Da fallen für uns kaum Rebounds ab, wenn Olivier Roy einen Puck nicht festhält.“ Roy, der Panther-Torhüter, ist der Mann der Stunde(n). Die Münchner können sich nicht mehr erinnern, wann sie mal ein Drittel hatten, in dem sie sich beschwingt zu ihren Toren kombinieren konnten: Es war im sechsten Spiel des Viertelfinales in Berlin: 4:1 führte der EHC nach 20 Minuten – doch danach wurde es nochmals knapp, der Endstand lautete 4:3.

Augsburg-Fans heißen Max Mustermann

Im Halbfinale Nummer sieben am Dienstagabend hat München Heimrecht. Das bringt einen Vorteil beim Wechseln, weil sich zuerst die Formation des Auswärtsteams aufs Eis begeben muss und der Gastgeber reagieren kann. Von der Stimmung im Stadion erlebt Meister München indes keinen Heimvorteil. In der kleinen Eishalle mit einem Fassungsvermögen von 6142 waren immer 1500 bis 1800 Augsburger Fans zugegen. Aktive Fans, die pausenlos anfeuern. Die Münchner wollten ja eigentlich verhindern, dass so viele Augsburger in ihrem Stadion einfallen. Darum wurden bei der Online-Ticketbestellung Augsburg-nahe Postleitzahlen geblockt. Die Panther-Fans knackten diese Wall. Gaben sich alle den Namen Max Mustermann und wählten eine Münchner Postleitzahl. Und schon waren sie drin.