Eishockey-Kolumne: Üben für den Abstiegskampf 2021

Heiße Phase in der DEL

Rund ein Drittel der Hauptrunde ist noch übrig in der Deutschen Eishockey-Liga, man kann sagen, dass in der DEL nun die heiße Phase begonnen hat. Der Kampf um die Plätze: Wer sichert sich die Teilnahme an den Playoffs (eins bis sechs), wer kommt über die Pre-Playoffs (sieben bis zehn) ins Viertelfinale? Es wird auch schon Klarheit geschaffen, ob man mit Heimrecht in die Serien gestartet, es geht zudem um die Qualifikation für die Champions League 2020/21. Elf Teams – bis hinab zu Nürnberg – sind mitten drin in der Saison, für sie ist immer noch alles drin; das System Playoffs ermöglicht es.

Die nächste Saison wird ungemütlich

Doch was machen die drei Klubs, für die realistisch gesehen nichts mehr zu holen ist? Im Fußball hätten sie knallharten Abstiegskampf. Im Eishockey haben sie ihn nicht. Zumindest jetzt noch nicht. Aus der DEL kann man sportlich nicht absteigen, das ist ein Relikt des Grundgedankens aus dem Gründungsjahr 1994, dass man den Teilnehmern der Profiliga Planungssicherheit geben müsse. Mit diesem Modell wird aber Schluss sein. 2021 soll der Tabellenletzte nach der 52 Spieltage langen Hauptrunde zum Abstieg in die DEL2 verurteilt und durch den Meister aus dem Unterbau ersetzt werden, so dieser die wirtschaftliche Kraft nachweist. Die Saison 2020/21 wird für die kleinen Klubs in der DEL – und vielleicht für einen kriselnden Großen – ungemütlich werden.

Und darauf richten sich Krefeld, Iserlohn und Schwenningen, Zwölfter bis Vierzehnter, schon ein. Klar, theoretisch können sie den zehnten Platz dieses Jahr noch erreichen, doch tatsächlich ist ihr oberstes Ziel, sich schon für die nächste Saison auszurichten. So hat es auch Jürgen Rumrich, der sportliche Leiter der Schwenninger Wild Wings, vor der Saison 2019/20 erklärt: „Wir müssen schon jetzt die Mannschaft aufbauen, die ein Jahr später bestehen kann. Dafür investieren die Gesellschafter auch.“

Trainerwechsel und Neuausrichtung

In früheren Jahren hätten die abgeschlagenen Teams die Runde einfach ausklingen lassen und, um Personalkosten zu sparen, ihre gefragtesten Spieler noch an Vereine in Österreich oder der Schweiz ausgeliehen. Diesmal nicht. Lieber setzten sie mit Trainerwechseln oder einem Umbau der Mannschaft Zeichen. Schwenningen etwa setzte seinen Topscorer Jamie MacQueen vor die Tür, weil es lieber einen starken Verteidiger als einen zu eigennützigen Stürmer haben wollte. Auch bei den Iserlohn Roosters war man bereit, auf den fleißigsten Punktesammler zu verzichten: Brett Findlay spielt nun für Ingolstadt, einen sicheren Playoff-Teilnehmer. Krefeld ersetzte seinen Trainer durch den bisherigen Torwartcoach, und Schwenningen holte für den Job an der Bande gar einen Star: Niklas Sundblad. Der Schwede hatte 2014 den ERC Ingolstadt zur Deutschen Meisterschaft geführt und danach die Kölner Haie übernommen. Für Schwenningen ist er eigentlich eine Nummer zu groß.

„Sunny“ ist für die Wild Wings zu groß

Aber: „Sunny“, wie Sundblad genannt wird, wirkt. Neulich schlugen die von ihm angeleiteten Schwenninger als Tabellenletzter den Spitzenreiter, den EHC München, mit 2:0. Was wieder ein schönes Beispiel war dafür, dass im Eishockey Ergebnisse, die undenkbar erscheinen, jederzeit möglich sind. Am Sonntag spielen die Wild Wings gegen Berlin, den Vierten. Als München-Bezwinger müssten sie doch Favorit sein, oder?