Eishockey-Kolumne: Siegen und Verlieren in Serie

Mannheim liebt das Jahr 2020

Die Weihnachtstage waren noch unerfreulich für die Adler Mannheim. Am zweiten Feiertag verloren sie 1:2 in Schwenningen, was ein wenig peinlich ist, weil die Wild Wings ein kleiner Klub sind und ein Rivale aus dem Bundesland, aus Baden-Württemberg. Zwei Tage später folgte eine weitere Niederlage für Mannheim: in Ingolstadt ein 3:4 nach Verlängerung. Doch seitdem: Sieg um Sieg. Sieben am Stück sind es nun schon. Die Adler sind das Team des Kalenderjahres 2020. Ihr Rückstand auf Spitzenreiter München beträgt nur noch sechs Punkte, die Verteidigung der Hauptrundenmeisterschaft ist wieder möglich.

Haie: Drei Punkte aus acht Spielen

Der umgekehrte Fall: die Kölner Haie. Sie hatten noch ein erträgliches Weihnachten, weil sie 4:1 in Wolfsburg gewannen und die Tabelle einen sicheren Platz im Playoff-Viertelfinale verhieß, wofür man Rang sechs benötigt. Doch nach und nach sind sie von diesem Kurs abgeraten. Die Ergebnisse, die folgten, lauteten aus Sicht der Haie: 2:3 nach Verlängerung, 4:5 nach Penaltyschießen, 1:2, 1:3, 1:4, 3:4 nach Verlängerung, 2:3, 3:6. In acht Spielen haben sie nur dreimal gepunktet und sind verwickelt in den Kampf um die Pre-Playoffs. Wird Köln nur Elfter, wird es eine historisch misslungene Saison sein.

Als sich die Wege trennten

Interessant: Die beiden Teams mit den markantesten Serien sind sich während ihres für die einen positiven, die anderen negativen „Streak“ begegnet. Und es war ein Schlüsselspiel. Am 30. Dezember hatten die Haie Heimrecht, sie führten nach 22 Minuten 4:1 – und es war der kleine Moment in der 23. Minute, der sie aus dem Takt brachte: der schnelle Anschlusstreffer von Mannheim, das es dann noch schaffte, auszugleichen und das Penaltyschießen zu gewinnen. Von diesem Tag an entwickelten sich die beiden Klubs, die von ihren finanziellen und personellen Möglichkeiten nicht weit voneinander entfernt sind, in unterschiedliche Richtungen.

Die unvergesslichste Serie

Serien während der Saison entwickeln sich oft unmerklich. Zu Beginn ist das anders. Im ersten Drittel der Hauptrunde wurde vor allem über den EHC München gesprochen, der alle seine Spiele gewann, sogar glatt, ohne dass er in die Verlängerung gemusst hätte. Das ging elf Mal so, die Münchner standen beim Maximalertrag von 33 Punkten – eine Marke, die nun immer zitiert werden wird, wenn wieder eine Saison beginnt. Erklären konnte sich der EHC seinen Lauf selber nicht so richtig. Etliche Siege gerieten knapp und glücklich, es fiel der Satz „Unser bestes Eishockey haben wir noch gar nicht gezeigt“. Aber man war aufgrund der Ergebnisse voller Selbstvertrauen. Nach 17 Spielen, einem Drittel des Hauptrundenprogramms, standen die Münchner bei 16 Siegen – doch so ging es nicht weiter. Nach 39 Spieltagen (von 52) haben sie zehnmal verloren – und sind doch im Normalmaß angekommen. Alte Eishockey-Weisheit: Irgendwann im Verlauf des Jahres hat jeder einmal seine Krise.

Kölns Chance auf Reparatur

Köln spielt auch in dieser seit Wochen anhaltenden Phase nicht immer schlecht. In Nürnberg etwa stand es bis ins letzte Drittel hinein 3:3 – dann ereignete sich das Missgeschick, dass die Haie in eigener Überzahl ein Gegentor kassierten, und so ging es zum 3:6 dahin. In solchen Momenten wünschen sich Eishockeyspieler nichts sehnlicher, als dass sie die Uhr zurückstellen können. Aber bitte: Der Spielplan der DEL reicht den Haien die Hand: Schon diesen Donnerstag dürfen sie wieder gegen Nürnberg ran, diesmal in der Lanxess Arena. Neunte Niederlage oder erster Sieg, es ist ein wegweisendes Spiel. Und Mannheim? Muss am Freitag in Straubing ran, beim Dritten. Ein Spitzenspiel. Serien in Gefahr.