Eishockey-Kolumne: Schöne Großstadt-Duelle


Die Surferinnen müssen warten

Man könnte die Eishockey-Saison 2018/19 an diesem Punkt abbrechen. Sie hat genügend an Dramatik geboten. Vor allem diese beiden Klubs: die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven und die Nürnberger Ice Tigers. Das erste Spiel ging an die Franken, sie gewannen an der Küste 3:1, ein Spiel, bei dem sich die nahezu kompletten Mannschaften prügelten, und hätten die Sache im zweiten Spiel beenden können, sie führten 3:0. Bremerhaven glich zum 3:3 aus, es gab Verlängerung, die so lange dauerte, dass bei Sport1 die Sexy Surferinnen im Nachtprogramm später drankamen. Die Pinguins erzielten in der 100. Spielminute das 4:3 und sicherten sich noch ein Heimspiel, in dem sie 1:0 führten, 1:2 zurücklagen und sich abermals in eine Verlängerung retteten. In der wandte sich das Glück von ihnen ab und Nürnberg zu: 3:2-Sieg für die Ice Tigers, die damit eine Runde weiter sind. Was für ein Hin und Her.

Playoffs sind die Prime Time

Der packende Thriller spielte aber lediglich im Vorabendprogramm, im Duell des Siebten mit dem Zehnten in der Qualifikation für die richtigen Playoffs. Prime Time ist ab Dienstag und Mittwoch, dann geht es in die Viertelfinals der DEL. Wie müssen die erst werden, wenn schon die Vor-Playoffs Maßstäbe in Sachen Spannung und Dramatik setzten.

München mit Ex-Berliner Trainer gegen Berlin

Dadurch, dass sich Nürnberg und die Eisbären Berlin (gegen Straubing) durchsetzten, bekommen die DEL-Playoffs überwiegend großstädtische Paarungen. Alles klingt nach Knüller. Mannheim (Vorrundenerster) gegen Nürnberg (Zehnter) – interessant, weil beide Klubs zu denen mit dem üppigen Etat zählen und die Teams im Vorjahr, wenn auch mit anderen Trainern, vom Leistungsvermögen auf einer Stufe standen. München (Zweiter) spielt diesmal nicht wie in den beiden vergangenen Jahren gegen die ermatteten Bremerhavener, sondern gegen die Eisbären Berlin (Neunter), die ihnen 2018 eine Finalserie über die Maximaldistanz von sieben Spielen abgerungen hatten und vor einigen Monaten noch als potenzieller Titelkandidat galten. Pikant wird die Paarung auch dadurch, dass die Münchner kürzlich den in Berlin gefeuerten Cheftrainer Clement Jodoin als Assistenzcoach einstellten. Jodoins Aufgabe: Optimierung des Münchner Überzahlspiels. Jeder Powerplaytreffer, den der EHC München gegen die Eisbären erzielen wird, oder jede Situation, der nichts Zählbares entspringen wird, birgt in diesem Viertelfinale eine besondere Story.

Köln – Ingolstadt gab es 2014 als Finale

Köln gegen Ingolstadt ist die Neuauflage der Finalserie von 2014, der ersten in der Geschichte der DEL, die über die vollen sieben Spiele ging. Es war das letzte Mal, dass weder Mannheim (2015) noch München (2016, 17, 18) Deutscher Meister wurde. Ingolstadt träumt seitdem davon, wieder in die Nähe eines solchen Coups zu geraten. Und die Kölner Haie tragen einen so glanzvollen Namen, dass sie ohnehin immer zum erweiterten Favoritenkreis gehören.

Ein Duell unter besonderen Vorzeichen ist Augsburg (Dritter) – Düsseldorf (Sechster). Favorit laut Tabelle: Augsburg. Favorit laut des direkten Vergleichs: die DEG. Sie hat alle vier Punktspiele gegen die Panther gewonnen. So klar kann es in einer Playoff-Serie gar nicht laufen. Wenn schon Nürnberg und Bremerhaven einen solchen Zinnober gemacht haben – und es waren noch nicht mal die richtigen Playoffs.