Eishockey-Kolumne: Retter aus dem Ruhestand

Die letzten Import-Lizenzen werden vergeben

Der Fußball bekommt zum 31. Januar Schnappatmung, im Eishockey ist das entscheidende Datum der 15. Februar. Dann schließt das Transferfenster, und man muss für den Rest der Saison mit dem Personal klarkommen, das man dann hat. Wobei im Eishockey die Regularien ein wenig straffer sind. Die Anzahl der Importspieler ist auf elf pro Saison beschränkt. Üblich in der DEL ist: Die Vereine lassen bis zuletzt ein, zwei Lizenzen offen, um auf einen Notstand noch reagieren zu können. Hielt man sich in den vergangenen Jahren bei den späten Lizenzierungen an Torhüter aus dem Ausland, sind 2020 vor allem Stürmer gefragt. Denn einige Teams haben feststellen müssen, dass sie sich schwertun, Tore zu schießen.

Wer hat zuletzt nicht mehr gespielt?

Doch woher auf einmal Leute nehmen, die sofort zünden? Wer sich bei seinem Verein als Goalgetter bewährt, hat keinen Grund zu wechseln und würde auch keine Freigabe bekommen. Daher geht diese Saison der Trend dazu, Spieler aus dem Ruhestand zu holen – der natürlich nicht immer aus freien Stücken gewählt worden ist.

Die Nürnberg Ice Tigers haben kürzlich Jack Skille verpflichtet, der bis 2017 in der NHL spielte. Danach war er in Europa, in Minsk und Genf. Der 32-Jährige wartete auf ein genehmes Angebot – und das kam erst nach Monaten des Wartens. Aus Nürnberg. Im Januar machte Skille sein erstes Saisonspiel – und traf mit dem ersten Puckkontakt ins Tor.

Kölns Neuer: 2019 in China

Das erhoffen sich die Kölner Haie von Justin Fontaine. Nach der zehnten Niederlage des einstigen Meisterschafts-Mitfavoriten verbindet sich mit der Verpflichtung des Kanadiers die Hoffnung auf eine Wende. Wie der Nürnberger Skille ist Fontaine 32 und hat sich in der NHL-Renommee erspielt, war aber in den vergangenen beiden Jahren Weltreisender und seit Monaten vertragslos. Seine letzte Station: das chinesische Team Kunlun Red Star, das in der russischen Liga KHL mitspielt. In 54 Spielen der vergangenen Saison erzielte er acht Tore. Nicht gerade die Monsterquote.

13 Spiele – nur ein Tor

Justin Shugg war 27, als seine Karriere zu enden drohte. Er gehörte 2018/19 zum Kader des Spitzenteams EHC München, bekam aber keinen neuen Vertrag und verletzte sich an der Schulter, sodass er operiert werden musste. Als die Münchner Mitte Dezember in Stürmernot gerieten, erinnerten sie sich an Shugg und banden ihn für sechs Wochen. Doch man sah, was fehlende Praxis ausmacht. Ein Tor in 13 Spielen sind keine Torjägerausbeute.

Mehr Promille als Tore

Glück mit einer Nachverpflichtung hatten die Augsburger Panther. Bei ihnen funktionierte der als neuer Star vorgesehene Mitch Callahan nicht,  also aktivierte man den Kontakt zu Scott Kosmachuk. Der hatte im Sommer mit Augsburg verhandelt, aber auf noch bessere Offerten gehofft. Es kamen keine. So musste er sich privat fithalten, bis die Panther noch einmal anklingelten. In seinen nunmehr 20 Spielen hat er fast jedes Mal gepunktet. Schon was anderes als Callahan. Dessen Bilanz: 25 Partien, ein Tor. Promille hatte er, als die Polizei ihn nachts in der Stadt vom E-Scooter holte, mehr…