Eishockey-Kolumne: Im Club der 1000er

Das ideale Jubiläumsspiel für Seidenberg

Yannic Seidenberg, Nationalspieler des EHC München, hat Glück mit seinen Jubiläumsspielen. Sein 900. Auftritt in der Deutschen Eishockey-Liga vor zwei Jahren erfolgte gegen Schwenningen, wo er zum schnellen Pucksport gekommen war, weil der Vater im Verein als Betreuer tätig war. Diesen Dienstag steht Seidenbergs 1000. Match in der DEL an – Schauplatz wird Mannheim sein. Passt ebenfalls: Bei den Adlern reifte er im Nachwuchsinternat zum Profi heran, Mannheim war sein Klub, bevor er nach München wechselte. Er ist der sechste Spieler in der vor 26 Jahren gegründeten DEL, der die Marke von 1000 Spielen erreicht – und der erste, der das noch als gefragtes Mitglied der Nationalmannschaft schafft. Seine Vorgänger waren alle schon aus dem Auswahlteam zurückgetreten – oder gehörten einfach nicht mehr zur ersten Garnitur.

Fünf Minuten Liegestütz

Yannic Seidenberg ist gut durch seine Karriere gekommen. Viele Spiele, die noch möglich gewesen wären, hat er nicht verpasst. Er sagt: „Ich hatte sieben Knieoperationen – aber die fielen alle in die jeweiligen Sommer. Ich habe es immer geschafft, mich fitzutrainieren.“ Das machte er in der Regel in Amerika, wo sein zwei Jahre älterer Bruder Dennis spielte, zum NHL-Star und Stanley-Cup-Gewinner (2011) wurde. Die Seidenbergs nahmen sich immer einen Privattrainer, der mit ihnen Übungen machte wie fünf Minuten den Liegestütz halten – oder einen Ausfallschritt.

Applaus fürs Lebenswerk

In Mannheim steht eine Ehrung durch die Liga an, und das Publikum wird freundlich reagieren. Lebensleistungen werden im Eishockey über Vereinsgrenzen hinaus anerkannt. So war das auch zum Ausklang der vorangegangenen Saison. Mannheim gewann die Finalserie gegen München mit 4:1 Spielen, der Schlussakt erfolgte in der Mannheimer SAP-Arena, doch bevor der Pokal übergeben und die Feierlichkeiten gestartet wurden, verabschiedete man in einem eigenen Ehrungs-Akt den Münchner Kapitän Michael Wolf, der seine Karriere in diesem Augenblick beendete. Und gerührt war, dass die Zuschauer sich zu einer Ovation für ihn erhoben.

Das erwartete Spitzenspiel

Für die Saison 2019/20 wird ja nach allgemeiner Experteneinschätzung wieder ein Finale zwischen Mannheim und München erwartet. Mannheim vor München war der gängige Tipp für die „regular season“. Fast richtig: Es steht München vor Mannheim, acht Punkte voraus. Wahrscheinlich wird der EHC München von der Spitze nicht zu verdrängen sein. Insofern hat das Spitzenspiel am 46. Spieltag nicht mehr die ganz große Bedeutung.

Jeder glaubt, dass er der bessere ist

Worum es geht: Eindruck zu machen auf den Gegner für ein mögliches Treffen im weiteren Saisonverlauf, in den Playoffs. In dieser Saison haben die Adler zwei der bisherigen drei Duelle gewonnen (4:2 und 4:3 nach Verlängerung, jeweils in München), doch der eine Sieg des EHC im Herbst war ein Kracher: 7:2 in Mannheim. Frank Mauer, der früher für Mannheim spielte und jetzt für München, sagt über die neuerliche Begegnung: „Da treffen zwei Teams aufeinander, von denen jedes glaubt, dass es das bessere ist.“ Beide sind nicht ohne personelle Sorgen, die des EHC München sind die etwas größeren, und die Lage bessert sich nicht bis zum Dienstag. EHC-Trainer Don Jackson aber bleibt gelassen: „Wir haben genügend Spieler, um in Mannheim zu gewinnen.“ Vor allem: Sie haben den erfahrensten von allen: Yannic Seidenberg, den Mann mit dem Aufnahmeantrag für den Club der 1000er.