Eishockey-Kolumne: Es wird scharf geschossen

„Soft können wir nicht“

Man hat den Satz in den vergangenen Wochen einige Male zu hören bekommen, wenn es in einem Eishockeyspiel etwas härter zur Sache gegangen ist: Das sei schon „Playoff-Eishockey“ gewesen. Es galt eigentlich für alle vier Partien zwischen München und Mannheim, den beiden begütertsten Klubs, und zunehmend auch für die Begegnungen von München mit Straubing. Am vorletzten Spieltag prallten Ober- und Niederbayern noch einmal aufeinander, der Straubinger Trainer Tom Pokel sagte hinterher: „Soft können wir nicht.“ München beklagte einen verletzten Topscorer (Bourque), wofür der Straubinger Spieler Moullierat von der Liga nachträglich für zwei Spiele gesperrt wurde. Gegen den Münchner Manager Christian Winkler leitete die DEL ein Ermittlungsverfahren ein, weil er nach dem Foul an seinem Spieler sehr laut wurde rund um Strafbank und Schiedsrichterkabine – woraufhin Straubings Torwart Jeff Zatkoff über die sozialen Kanäle kundtat, „dass ich solch ein unwürdiges Verhalten in zwölf Jahren als Profi nicht erlebt habe“. Streit in der Bude, als hätten die Playoffs bereits begonnen.

Mittelklasse im Blickpunkt

Am Mittwoch tun sie es so halb. Es laufen dann die Pre-Playoffs, in denen der Siebt- bis Zehntplazierte die zwei noch freien Plätze fürs Viertelfinale und die richtigen Playoffs ausspielen. Mit Ingolstadt – Augsburg gibt es ein bayerisches Derby (Schwaben gegen Oberbayern). Dagegen müsste Nürnberg – Wolfsburg, die andere Paarung, entspannt verlaufen.

Elfter bis Vierzehnter haben Ferien, Erster bis Sechster warten auf die nächste Woche, wenn es für sie mit dem Viertelfinale losgeht – in der aktuellen Woche rückt daher die Mittelklasse in den Blickpunkt. Aber auch dort gibt es interessante Typen. Bei Ingolstadt – Augsburg duellieren sich die beiden besten Offensivverteidiger der Liga: Der ERCI hat Maury Edwards, der mit seinen 15 Toren und 31 Assists in anderen Klubs der nach Punkten beste Stürmer wäre. Für Augsburg ballert Simon Sezemsky von der blauen Linie. Seine Spezialität ist der „One-Timer“, die Direktabnahme. Diesen Schuss übt Sezemsky außerhalb des Mannschaftstrainings jede Woche um die 200 Mal. Auch er schoss 15 Tore, die meisten im Powerplay. Es wird scharf geschossen werden in dieser Serie.

In Berlin 2 Tore, in Nürnberg 19

Nürnberg – Wolfsburg ist das Treffen zweier Klubs, die sich nach einer missratenen Saison 2018/19 wieder gefunden haben. Die Nürnberg Ice Tigers erfreuen sich am wohl geglücktesten Transfer des Jahres: Sie hatten im Sommer Daniel Fischbuch verpflichtet, einen bereits 26-jährigen Angreifer von den Eisbären Berlin. Seine Bilanz dort: zwei Tore, da konnte er gerne gehen. In Nürnberg schoss er 19 Tore, bereitete 29 vor, wurde zum wirkungsvollsten Mann seines Teams und gleich noch zum Nationalspieler.

Brückmanns schöne Geschichte

Als Torjäger wird er sich nun gegen Felix Brückmann beweisen müssen. Wolfsburgs Tormann hatte wegen beidseitiger Hüft-Operationen eineinhalb Jahre seinem Beruf nicht nachgehen können, in dieser Saison kehrte er zurück und wurde wieder zu einem der wertvollsten Goalies der Liga. Und auch wenn er 2020/21 zu den Adlern Mannheim wechselt – Wolfsburg liebt ihn. Und würde ihn daher gerne noch eine Runde sehen.