Eishockey Kolumne: Eine Saison ohne Beispiel

Das neue DEB-Team

17 Spieltage hat die DEL hinter sich gebracht. 17 von 52, ein Drittel. Ein Glück für das Eishockey in Deutschland, dass es vor knapp 40 Jahren die Playoffs eingeführt hat. Bis dahin wurde gespielt wie im Fußball. Jeder gegen jeden, Abschlusstabelle, Ende. 2019/20 würde unter diesen Umständen eine sterbenslangweilige Saison. Der EHC München hat jetzt schon zwölf Punkte Vorsprung. Die würde nicht einmal Lucien Favre vercoachen, wenn er sich zu einem Wechsel ins Eishockey entschlösse.

Der Seriensieger spricht über zu viele Fehler

Es sind wunderliche Dinge passiert in diesem ersten Drittel der „regular season“. München musste kein einziges Mal in die Verlängerung und gewann 16 von 17 Partien – ein Rekord. Dabei sagt Münchens Nationalspieler Maxi Kastner: „Wir machen viele Fehler.“ Mannheim, Meister und Favorit, verliert gegen Underdog-Teams wie Schwenningen und Krefeld, teils krachend. Köln, hoch gehandelt, kommt schwer in die Gänge. Nürnberg, wo der Hauptsponsor seinen Ausstieg zum Saisonende bekanntgegeben hat, zeigt null Zukunftsangst, spielt beherzt auf. Augsburg, als Vorjahresdritter sensationell in die Champions League gekommen und dort ins Achtelfinale vorgedrungen, hat in der DEL zuhause nur ein Spiel gewonnen, sonst alle vergeigt. Krefelds Team wirkt wacher, seit von der drohenden Insolvenz des Klubs die Rede ist.

Die Münchner Fraktion aushorchen

Die Liga braucht eine Pause, um diese Geschehnisse zu verarbeiten, nach Erklärungen zu suchen. Gut, dass der DEL-Betrieb für fast zwei Wochen ruht. Denn traditionell gehört das zweite November-Wochenende der Nationalmannschaft. Sie trifft sich zum Deutschland Cup in Krefeld, ab Donnerstag sind Russland, Schweiz und Slowakei die Gegner. Im Kreis von Bundestrainer Toni Söderholms Auswahl wird vor allem die Münchner Fraktion ausgehorcht werden: Was ist euer Geheimnis?

Jedoch, von den souveränen Münchnern sind nur drei dabei in Krefeld. Die Nationalmannschaftsneulinge Kevin Reich (im Verein zweiter Torwart) und Maxi Daubner sowie Maxi Kastner, der auch erst zwei Länderspiele hat. Der Kern des erfolgreichen EHC-Teams wurde gar nicht erst nominiert, denn der Bundestrainer hat die Wünsche der Vereinsmanager berücksichtigt: Die wollen für ihre älteren Spieler, die Stars, ein wenig Schonung. Denn zwei Tage nach Ende des Deutschland Cup in Krefeld haben die Münchner in Minsk auf dem Eis zu stehen, dann ist Achtelfinale in der Champions League. Es werden also wohl keine Betriebsgeheimnisse ausgeplaudert werden. Und da auch nur ein Mannheimer, Markus Eisenschmid, eingeladen wurde, kann auch die Flaute der Adler kein Thema sein, zu dem neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Schnell, voller Energie: Das neue DEB-Team

Vier Tage lang werden die drei Münchner keine Münchner und der Mannheimer kein Mannheimer sein, sondern sie werden zu einem Team verschmelzen mit Akteuren aus Schwenningen, Wolfsburg, Straubing, Düsseldorf, Berlin, Köln, Augsburg. Die Nationalmannschaft soll „schnell und voller Energie“ sein, so stellt Söderholm sich das vor. Er trommelt 27 Cracks zusammen, er wird rotieren, um volle Power aufs Eis zu bringen. Das Team könnte sogar noch jünger sein, doch die drei 17-jährigen Jungstars der DEL, Tim Stützle (Mannheim), John Jason Peterka (München) und Lukas Reichel (Berlin) laufen in der U20 auf, die sich auf ihre Weltmeisterschaft zum Jahreswechsel vorbereitet. Aber sie haben schon alle drei A-Format.

Drei Jugendliche, die noch mit Gitter vorm Gesicht spielen müssen und schon die Liga aufmischen – die DEL erlebt eine wahrhaft außergewöhnliche Saison.