Eishockey-Kolumne: Die Jungs müssen an die frische Luft


Winter Game – Eiszauber für Zigtausende

Das Eishockey wird am kommenden Samstag die Nachmittagsstunden und den frühen Abend beherrschen. Denn die DEL erlebt dann wieder ihr „Winter Game“. Spielbeginn zwischen Kölner Haien und der Düsseldorfer EG ist um 16.30 Uhr, doch die zigtausend Besucher werden sich schon lange zuvor im RheinEnergie-Stadion einfinden. Um das Rahmenprogramm mitzuerleben, die große Party, die einzigartige Atmosphäre: Das schnellste und beste Spiel unter freiem Himmel. In der Fußballarena.

In Amerika kamen schon über 100.000

Die Deutschen haben Veranstaltungen dieser Art natürlich nicht erfunden. Sie haben sich dazu inspirieren lassen. In Nordamerika, in der NHL, gibt es das „Winter Classic“ jedes Jahr. Vergangene Woche trafen Chicago Blackhawks und Boston Bruins aufeinander – vor 76.000 Zuschauern. Der Rekord liegt noch viel höher: ein Collegespiel sahen im Jahr 2010 sage und schreibe 104.173 Leute. Es kam wohl nicht so sehr auf die Qualität des Eishockeys an, sondern aufs Event und das Dabeisein.

Auch in Europa gilt, wenn es kalt wird: Die Jungs müssen an die frische Luft. Schweden, Finnland, Frankreich, Schweiz, Österreich – in allen Ländern wurde bereits an unüberdachte Lokalitäten ausgewichen. In Russland liefen neulich die Spitzenklubs SKA St. Petersburg und ZSKA Moskau im Stadion von Zenit auf, bekannt als Prachtbau der Fußball-WM. Zum Eishockey kamen 71.000.

DEL-Taktik: Jedes zweite Jahr genügt

Deutschland schreibt sein Winter Game alle zwei Jahre aus. Es soll etwas Besonderes bleiben, nicht zur Gewohnheit werden. Köln erlebt die vierte Auflage. Die erste war 2013 im Nürnberger Frankenstadion, 2015 gab es Düsseldorf gegen Köln in der Esprit-Arena, 2017 Schwenningen gegen Mannheim in Sinsheim. Wobei: Das Fußballstadion-Derby DEG – Haie hatten einen Schönheitsfehler: Das Arenadach wurde damals geschlossen, es war ein halbes Hallenspiel.

Summer Games und Eishockey im Amphitheater

Sogar auf die zweite Liga griff die Open-Air-Sehnsucht über: Den Ost-Fight Dresden – Weißwasser gab es 2016 im Dynamo-Fußballambiente. Fast 32.000 Zuschauer – ein Erfolg. Mehr als im selben Jahr beim hessischen Klassiker Frankfurt – Kassel in der Commerzbank-Arena alias Waldstadion. Da blieb über ein Drittel der Plätze frei. Das mag aber am Termin gelegen haben: 10. September. „DEL2 Summer Game“ – ökologisch grenzwertig. Wie 2012 Mitte September zwei Spiele in Zagreb, Kroatien. Im Amphitheater von Pula. Es gab zumindest schöne Bilder.

Geschminkt auf Zeitreise

Die Spieler mögen Winter-Freiluftspiele. Für sie ist es eine Zeitreise. Als Jugendliche waren sie auf dem zugefrorenen Teich oder hatten Training auf unüberdachter Eisfläche. Bei richtiger Kälte ist das Eis gut. Schneller als in den beheizten Hallen. Die Einschränkung liegt in der Sicht, es gibt weniger Fixpunkte in den weitläufigen Stadien. Dagegen hilft es, sich einen schwarzen Balken unter die Augen zu pinseln. Kriegsbemalung wie im American Football. Die Schminke des Mannschaftssportlers.

Danach wartet der Alltag

Die Gefahr des Winter Game: Wegen des hohen Organisationsaufwands und des Medienauflaufs für das große Spiel verliert man leicht aus den Augen, dass es ja auch nur eine Herausforderung um drei Punkte ist. Und es schnell im Alltag weitergeht. Die DEG muss 24 Stunden, nachdem die Schlusssirene durch Köln-Müngersdorf erklungen sein wird, zuhause zum Spitzenspiel gegen München antreten.