Eishockey-Kolumne: Der erste Showdown am Rhein


Kölner Haie vs. Düsseldorfer EG

 

Man muss auch mal Glück haben im Leben. Wie die Kölner Haie in ihrem kleinen Derby in Krefeld. 3:2 gewannen sie, obwohl der Gegner am Ende mächtig drückte. War es der erste Schritt aus dem Tal, dessen Sohle sie zwei Tage zuvor erreicht hatten? Mit einer Heimniederlage gegen die Augsburger Panther. Sie schmerzte besonders, weil Augsburg das alte Team des neuen Haie-Trainers Mike Stewart ist und das nun mit dem Überzahlspiel, das es unter ihm gelernt hatte, sein neues, die Haie, zerlegte.

Elfte statt dritte Kraft

Nach knapp einem Viertel der DEL-Hauptrunde tun sich einige Überraschungen auf, und der Tabellenstand der Kölner ist eine davon. Die Tipps vor Saisonbeginn lauteten: Die Haie werden die dritte Kraft in der Liga sein hinter den Matadoren Mannheim und München. Indes: Die Adler Mannheim haben sich schon in drei Spielen verflattert, und Köln ist die elfte Kraft. Warum? Vor allem viele Verletzte, Neuzugänge, die sich noch nicht eingefügt haben, und ein Trainer, dessen Magie sich erst noch entfalten muss.

Stewart sagt: „Ich werde immer Mike bleiben“

Frisst Köln nun auch noch Mike Stewart, dem in seiner Trainerkarriere alles geglückt ist? Bremerhaven baute der Austrokanadier zu einem Spitzenteam und Meister der DEL2 auf, er hat das Projekt Fischtown Pinguins für die DEL positioniert. Die vergangenen vier Jahre wirkte „Stewi“ in Augsburg, und die Panther, ein sogenanntes kleines Team, hätten um ein Haar die Finalserie 2019 erreicht. Überall hat man Stewart machen lassen, und das haben sich auch die Haie vorgenommen, die bei Nicht-sofort-Erfolg schon viele Coaches rasiert haben. Verstellen, das versichert Stewart, werde er sich nicht: „Ich werde immer Mike bleiben.“ Er will in Köln sein Ding durchziehen.

DEG: Spezialist für knappe Siege

Helfen würde ihm dabei ein Erfolg gegen Düsseldorf. Am Sonntag steigt in der Lanxess-Arena das erste große Derby der Saison. Die DEG steht exakt so da, wie die Experten es von ihr erwartet hatten. Auf Platz vier. Die Spezialität der Mannschaft: Sie ist sehr gut in Spielen, die nach 60 Minuten noch nicht entschieden sind. In sechs von elf Spielen musste sie in die Overtime, in fünf Fällen sogar ins Penaltyschießen, und nur einmal verlor sie.

Wer wiederum Erfahrung mitbringt, wie man Düsseldorf in engen Spielen besiegt, ist Mike Stewart. In den vergangenen Playoffs eliminierte er mit Augsburg im Viertelfinale die DEG. Über die epische Strecke von sieben Spielen. Allerdings hatte er in der Saison 2018/19 mit Augsburg alle normalen Saisonspiele gegen die DEG verloren – und das sollte ihm als Köln-Coach besser nicht widerfahren.

Die Liga hofft auf Straubing

Was das rheinische Derby derzeit nicht ist: ein Spitzenduell. Das findet in der DEL bereits im vorgezogenen Spiel am Donnerstag statt: Straubing gegen München, Nieder- gegen Oberbayern. Vizemeister München hat mit elf Siegen aus elf Spielen einen Rekord für die Liga aufgestellt, es fehlen nur noch Straubing und Krefeld (am Sonntag), dann hätte der EHC die gesamte Gegnerschaft durchgespielt und durchbesiegt.

Das kleine wilde Straubing als Hoffnung der Liga auf Perspektive. Die DEL hilft ein bisschen mit: Der Termin am Donnerstag ist für München eine Herausforderung, denn zwei Tage zuvor muss München Champions League in Schweden spielen.