Eishockey Kolumne: Das Derby – jetzt mit Karneval

Düsseldorfer EG vs. Kölner Haie

Der ISS Dome in Düsseldorf ist eine schöne Halle. Sie zeigt nur nicht immer alles von sich, der steile Oberrang bleibt im Alltag der Deutschen Eishockey-Liga diskret verhüllt. Am Freitag wäre aber mal wieder ein Anlass, die Vorhänge wegzuziehen. Denn die Kölner Haie kommen. It´s Derbytime! Warum sollte es nicht mal richtig voll werden – wie früher an der Brehmstraße?

Haie auf Augenhöhe mit der DEG?

Am 22. Spieltag könnte Köln nach Punkten mit seinem Nachbarn gleichziehen. Wenn es dazu kommt, müssten die Fans ihre bisherige Einschätzung des Saisonverlaufs beider Klubs überdenken. Die lautete: Die DEG macht das, wenn man den Komplettumbruch in ihrem Kader bedenkt, überraschend gut, hält Anschluss an die erweiterte Spitze. Die Haie hingegen bleiben alles schuldig und spielen die Fans aus der Halle. Wo ist die Magie des neuen Trainers Mike Stewart?

Neustart nach der Länderspielpause

Die knapp zwei Wochen Deutschland-Cup-Pause haben die Vereine traditionell genutzt, sich zu sortieren. Alle Trainer haben ein paar Tage freigegeben, vor allem die nordamerikanischen Spieler haben die Zeit für einen Kurzurlaub an irgendeiner europäischen Sehenswürdigkeit genutzt – und sind „reloaded“ zurückgekehrt. Teams, bei denen es zuvor nicht so gelaufen ist, reden sich ein: Es ist Neuanfang. Der erste Spieltag nach der Länderspielpause ist wie Neujahr.

Die Haie stehen vor dem Spitzenreiter

Die Kölner Haie haben seitdem von zwölf möglichen Punkten zehn geholt. München, das Team, das die Liga beherrscht, nur sechs. Und Düsseldorf? Drei. Die Dinge können sich rasend schnell verändern im Eishockey mit zwei Spielen pro Wochenende. Wer vorgestern noch vor Selbstbewusstsein platzte, wird heute von Selbstzweifeln geplagt, wenn ihm mal ein paar Überzahlspiele misslingen.

„Stewi“ liebt langfristige Missionen

Niemand siegt derzeit ökonomischer als die Haie. Zweimal 2:1 (in Wolfsburg, gegen Krefeld), einmal 5:4 (in Schwenningen), nur im Heimspiel gegen Straubing (3:4 nach Verlängerung) ging der Plan nicht ganz auf. Leistungsmäßig ist noch Luft nach oben. Doch die Ergebnisse stimmen. Was zeigt: Mike Stewart hat sich vom zähen Start in Köln nicht irritieren lassen. „Stewi“ ist eh der Mann für die langfristigen Missionen, er baut seine Trainerkarriere zielstrebig auf: Österreich, dann zweite deutsche Liga (Bremerhaven, inzwischen in der DEL), vier Jahre Augsburger Panther. Zweimal erreichte er die Playoffs nicht, doch überzeugte den Verein, dass da noch was kommen wird. Und siehe da: 2019 stand er mit den Panthern im Halbfinale, zwang München in eine Siebener-Serie. Köln mit dem größeren Etat und der glanzvolleren Geschichte war der logische nächste Schritt. Und Stewart ist eigentlich schon die letzte Hoffnung der Haie, die seit 17 Jahren auf die nächste Deutsche Meisterschaft warten.

Auf einmal war der Weg zur Halle lang

Mike Stewart fühlt sich in Köln mittlerweile angekommen. Nur eine Situation, die hat ihn überfordert. Die Begegnung mit dem Phänomen Karneval. Der Austrokanadier wusste, dass der 11.11. ein außergewöhnlicher Tag werden würde, daher wollte er sich ausschließlich in der Trainingshalle aufhalten. Das Problem: Statt der üblichen 15 Minuten brauchte er zwei Stunden. Nun weiß er, wie das ist, wenn die Narren unterwegs sind. Am Freitag in Düsseldorf wird er seine nächste Lektion in rheinischer Frohnatur erleben. Helau oder Alaaf?